Das Bauwesen ist einer der Anwendungsbereiche, in der Virtual Reality am häufigsten eingesetzt wird. Mit Hilfe von Werkzeugen für das Computer Aided Design (CAD) werden in einer ersten Phase Bauobjekte entworfen und modelliert. Im nachfolgenden Schritt kann der Realismus bei der Darstellung des Bauobjektes dadurch erhöht werden, indem das Objekt respektive die computergenerierte Szene mit Lichteffekten, Materialeigenschaften und Oberflächentexturen versehen wird. Diese Techniken werden heute dazu eingesetzt, um Bauprojekte zu visualisieren, bevor überhaupt mit der eigentlichen Bauphase begonnen wird. Entwurfs- und Konstruktionsfehler können damit in einem frühen Stadium erkannt und rechtzeitig behoben werden.
Der ganze Prozeß
eines Bauvorhabens kann mit Hilfe von VRML in Kombination mit
Datenbankmechanismen optimiert und transparenter gestaltet werden. Damit
können erhebliche Kosteneinsparungen für das Gesamtprojekt
erzielt und eine Erhöhung der Qualitätssicherung erreicht
werden. In Abbildung
2.1 ist das computergenerierte Gebäudemodell des Instituts
für Informatik der Universität Zürich als VRML-Objekt
dargestellt. Das Modell wurde 1990 mit einem 3D-Modellierwekrzeug
konstruiert und später ins VRML-Format konvertiert. Es war bereits
als digitales 3D-Modell für Begehungen im virtuellen Raum
verfügbar bevor das effektive Institutsgebäude fertiggestellt
war und bezogen werden konnte. Abbildung 2.1
Gebäude des Instituts für
Informatik der Universität Zürich als VRML-Modell
Die Planung von Bauvorhaben |
Bevor mit einem Bauvorhaben begonnen werden kann, müssen verschiedene Voraussetzungen abgeklärt werden. Bei der Projektentwicklung wird sehr oft eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Diese klärt die gesetzlichen, finanziellen, technischen, ökonomischen sowie ökologischen Rahmenbedingungen ab. Dies kann sich unter Umständen und v.a. bei großen Bauvorhaben sehr facettenreich gestalten. Die gegenseitigen Abhängigkeiten und Verknüpfungen der einzelnen Aspekte sind für die entsprechenden Entscheidungsträger oft nicht intuitiv und klar faßbar. Zur besseren Erfassung der relevanten Entscheidungsparameter und der bestehenden Bausubstanz kann VRML deshalb eine ganzheitlichere Sicht auf die Problematik und Einflußfaktoren eines Bauvorhabens bieten. Je früher Probleme erkannt und gelöst werden können, desto weniger Kosten verursachen sie in einer späteren Phase des Bauprojekts. Die so erzielte Transparenz verhindert oft langwierige Bewilligungsverfahren und sorgt für eine frühe Akzeptanz des Bauvorhabens durch die beteiligten Personen und Institutionen.
Die gemeinsame Realisierung und Überwachung von Bauprojekten |
Durch VRML als Standarddatenformat für interaktive 3D-Umgebungen und das Internet respektive World Wide Web als globales Kommunikationsmedium können nun Bauprojekte verteilt, realisiert und koordiniert werden. Mit VRML kann der geplante, der momentane sowie der korrigierte Verlauf eines Bauprojektes online und aktualisiert dargestellt werden. Projektpartner müssen sich nicht unbedingt physisch in der unmittelbaren Umgebung des Objektes befinden, sondern können verteilt über den ganzen Globus ihre Tätigkeiten und Kompetenzen einbringen. Dadurch lassen sich enorme Zeiteinsparungen erzielen. Der Entwurfsprozeß kann über 24 Stunden hindurch erfolgen. Voraussetzung dafür ist, daß die Projektallianz ein gut eingespieltes Team bildet und der kulturelle, organisatorische sowie strukturelle Rahmen optimal aufeinander abgestimmt sind.
Auch im Innenarchitekturbereich eröffnet VRML interessante Anwendungsmöchlichkeiten. So können Möbelhäuser ihr Sortiment in Form von VRML-Modellen auf dem Internet anbieten. Der Kunde, sei dies der Innenarchitekt oder der Endkunde, kann die angebotenen Möbelelemente in das 3D-Modell seiner neuen oder bestehenden Wohnung oder seinem Haus platzieren und verschiedene Szenarien durchspielen. Auf dem Internet existieren bereits Anwendungen, die es dem Nutzer mit Hilfe von Auswahldialogen erlauben, sich eine Küche zusammenzustellen und als VRML-Modell auf dem Bildschirm darstellen zu lassen.
Die Verwaltung von Gebäudeinformationen und Anlagedaten |
Die in den vorher beschriebenen Teilanwendungen respektive Teilprozessen eines Bauvorhabens generierten Daten können nun weiterverarbeitet werden. So läßt sich das VRML-Modell als Baustein eines Gebäudeinformationssystems wiederverwenden. Damit sind verschiedene Abfragemöglichkeiten denkbar: Standort des Büros eines Mitarbeiters, Zugehörigkeit zu einer Arbeitsgruppe, Visualisierung von Kommmunikations- oder Führungsprozessen, interner Material- und Informationsfluß oder die Verwaltung sowie die Anzeige von Ressourcen wie Kopiergeräten, öffentlichen Telefonzellen oder sanitären Einrichtungen.