Integration im World Wide
Web
Nachdem wir unsere Beispielszene mit allen Schikanen
ausgestattet haben, ist es an der Zeit, sich über die Integration
der virtuellen Umgebung in die eigentliche Welt von VRML Gedanken zu
machen: das World Wide Web. VRML-Dateien mit der Extension ,,wrl"
können wie HTML-Dateien auf einem WWW-Server mit dem entsprechend ergänzten MIME-Eintrag abgelegt und dann weltweit von den Clients abgerufen
werden. Jedoch sollte sich die Funktion einer virtuellen Welt nicht auf
eine ,,Sackgasse" in einer HTML-Umgebung beschränken,
beispielsweise als exemplarische Visualisierung der ohnehin im Text
vorhandenen Informationen. Vielmehr kann eine 3D-Szene den zentralen
Knotenpunkt für den Zugriff auf weitere Dokumente vom Typ VRML und
HTML darstellen. Ebenso lassen sich sämtliche anderen auf dem WWW
gebräuchlichen Medientypen, wie Audio-, Film-
oder auch QuickTimeVR-Dateien, direkt aus einer
VRML-Umgebung per Hyperlink aufrufen.
Unter Anwendung des Frame-Konzepts in HTML lassen sich somit Informationssysteme entwickeln, die parallel die verschiedenen Dokumenttypen zur optimalen Informationsvermittlung auf einem Bildschirm darstellen und miteinander verknüpfen. So ließe sich ein Touristisches Informationssystem vorstellen, bei dem sich der Kunde in einem Frame durch die in VRML visualisierte Stadt bewegt und an einem ausgesuchten Ort über die umliegenden Hotels per Mausklick informiert. In einem gesonderten Frame würden daraufhin im HTML-Format spezifische Informationen zum gewählten Hotel erscheinen, wie Zimmerkategorien, Vakanzen und Preise. Wünschte der Kunde detaillierte Ansichten zu den Zimmern, ließen sich im HTML-Text per Mausklick wiederum entsprechende VRML-Umgebungen oder aber auch in einem weiteren Frame kurze Filme oder QuickTimeVR-Panoramen aufrufen. VRML-Welten erhalten somit die gleiche integrative Funktion wie HTML-Dokumente und erweisen sich als mindestens ebenbürtiges, wenn nicht überlegenes, dreidimensionales Pendant.
n Hinzu kommt, daß sich die einzelnen 3D-Szenen zu zusammenhängenden größeren, bis hin zu globalen Umgebungen in Analogie zur realen Welt per Hyperlinks verknüpfen lassen. So könnten aus einzelnen Orts- Landes- und aus einzelnen Landes- Staats-Informationssysteme werden, aus denen sich wiederum die ganze virtuelle Welt des Cyberspace zusammensetzen könnte. Selbstverständlich lassen sich solche komplexen Umgebungen ab einem bestimmten Detaillierungsgrad nicht mehr als Ganzes darstellen, sondern erfordern eine gutstrukturierte Verknüpfung der einzelnen Bestandteile. Auf einer elementaren Ebene ist es jedoch möglich, einzelne Szenen zu einer größeren Umgebung innerhalb einer VRML-Datei zusammenzufassen. So könnte jeder Einwohner einer Stadt sein eigenes Haus als in VRML beschriebene Datei auf dem eigenen Server ablegen. Der Bürgermeister müßte nunmehr lediglich den Flächennutzungsplan der Stadt visualisieren und eine Kopie der einzelnen Häuser auf den richtigen Parzellen plazieren, und fertig wäre die virtuelle Stadt.
Wir möchten im folgenden ein wenig bescheidener bleiben und Ihnen die Möglichkeiten zur Integration von VRML-Dokumenten im World Wide Web anhand unseres vertrauten Kirchenbeispiels demonstrieren. Wenn Sie bereits Kenntnisse im Bereich HTML-Authoring haben, werden Ihnen einige der Methoden bekannt vorkommen, da Hyperlinks in HTML- und VRML-Browsern grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip ausgeführt werden.
Wie bei HTML-Dokumenten auch, ist bei VRML-Dateien das besondere Umfeld des World Wide Web zu beachten. Die Übertragung der dreidimensionalen Daten erfordert einerseits einen schonenden Umgang mit den Ressourcen des Netzes und den Client-Systemen und ermöglicht andererseits effiziente Kombinationen und Verteilungen der einzelnen WWW-Dokumente. Zur Optimierung der Lauf- und Ladezeiten von VRML-Dateien stehen von daher mehrere mächtige Methoden zur Verfügung. Die Definition externer Prototypen erlaubt zudem die Entwicklung virtueller ,,Warenhäuser", auf die beim Worldbuilding im WWW zurückgegriffen werden kann.